@ Bulgarienfan
Deinen Beitrag vom 09.07.05 habe ich mehrmals durchlesen müssen, weil er so umfangreich, gleichermaßen aber auch gut recherchiert und formuliert ist. Einigen Deiner Thesen kann ich unumwunden zustimmen, anderen bedingt, anderen wiederum nicht.
Deiner Einschätzung, daß wir sehr genau aufpassen müssen, wen wir ins Land lassen, stimme ich mit Ausrufezeichen zu. Da ist in der Vergangenheit sehr geschludert worden, erst nach 9/11 war man sensibilisiert genug, genauer hinzusehen. Die Restriktionen sollten nicht nicht nur für Moslems gelten, wenngleich dort besonders, sondern allgemein. Wenn man beobachtet, welche Sorte von Osteuropäern sich beispielsweise hier rumtreibt, muß man schon auch da die Frage stellen: Wie kann man solche Leute ins Land lassen?
Deiner Festellung, daß sich Türken besonders schwer integrieren lassen, weil sich viele schlicht weigern, die deutsche Sprache zu lernen und sich auch gesellschaftlich nicht anpassen wollen, stimme ich von der Sache her auch zu. Die Integrationsprobleme beruhen auch in erster Linie auf den unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten. Man muß allerdings sagen, daß es diese von Dir beklagten Parallelgesellschaften nicht nur in Deutschland, sondern auch sehr ausgeprägt zum Beispiel in den USA und auch in England gibt. In den USA leben z. B., vornehmlich in den Chinesenvierteln, ganze Generationen von Chinesen, die nie auch nur ein einziges Wort Englisch gelernt und gesprochen haben. Jeder, der mal in NYC mit dem Taxi gefahren ist, hat erleben können, daß nicht einmal alle indischen oder chinesischen Taxifahrer, also Leute mit intensiven Kundenkontakten, Englisch sprechen. Manche kommen sogar ohne ein einziges Wort aus! Der grund ist der immense kulturelle Unterschied der Kulturen im allgemeinen und besonders der Religionen. Die Tatsache, daß das so ist, wird in USA meist gerade mal zur Kenntnis genommen, aufregen tut sich kaum jemand darüber. Wir haben mit Amerikanern darüber gesprochen, sie sehen diese Einwanderer lediglich als bunte exotische Farbkleckse. Die mangelnde Integrationsbereitschaft der Türken wird immer wieder beklagt, ich glaube aber nicht, daß man dem größere Bedeutung zumessen sollte.
Ich stelle mir vor, Deutsche müßten aus wirtschaftlichen Gründen in die Türkei ziehen und man würde ihnen vorwerfen, die Sprache nicht lernen zu wollen und die türkischen Lebensgewohnheiten nicht annehmen zu wollen. Oh weia!
Deinen Ausführungen zu dem Problemkreis Israel stimme ich insoweit zu, als Du sagst, daß damals große Fehler gemacht worden sind. Heute müssen alle Beteiligten mit den Gegebenheiten klar kommen. Weißt Du, ich sehe das ganz pragmatisch. Da kommt Dein Nachbar und behauptet, ein Teil des Landes, auf dem Du wohnst, hätte früher mal ihm gehört, und mit Hilfe von Gerichten nistet er sich tatsächlich bei Dir ein. Du und auch Deine Nachfahren werden das nie und nimmer akzeptieren und den Eindringling mit allen Mitteln vertreiben wollen. Ich weiß, der Vergleich hinkt deutlich, die Realitäten müssen viel differenzierter dargestellt werden. Ich möchte nur den Versuch einer Erklärung wagen, wenngleich es nicht gerade en vogue ist, Israel zu kritisieren, weil das gerne direkt mit Antisemitismus in einen Topf geworfen wird. Daß aus diesem Konflikt und der Tatsache, daß fast die komplette westliche Welt auf der Seite Israels zu stehen scheint, ein Großteil des Hasses auf die westlichen Welt entstanden ist, hast Du richtig dargestellt.
Wie jemals dieses Kernproblem gelöst werden könnte, wüßte ich nicht einmal ansatzweise.
Deiner These, daß wir uns im Krieg mit den Islamisten (nicht mit dem Islam!)befinden, stimme ich zu, ich weiß nur nicht, ob der Ausdruck Krieg der richtige ist.
Es handelt sich um Auseinandersetzungen mit terroristischen Islamisten. Ob wir diesen "Krieg", um dabei zu bleiben, mit unseren Mitteln je gewinnen werden, auch wenn wir ihn annehmen, wage ich zu bezweifeln. Der Hydra wachsen immer neue Köpfe, der Kopf Bin Laden ist inzwischen vermutlich out, wer der neue Chef, sofern es überhaupt einen gibt, ist, weiß kein Mensch. Wir werden diese Auseinandersetzungen ohne die Mithilfe der großen Anzahl friedlicher Muslime nie gewinnen können. Die Tatsache, daß von ihnen so wenig Unterstützung bei der Bekämpfung ihrer terroristischen Glaubensbrüder kommt, muß zu denken geben.
Ich denke, dort sind die einzig richtigen und wirkungsvollen Ansatzpunkte zu suchen. Wie kann man eine Änderung der Einstellung dieses, bekannterweise riesigen, Menschenpotentials erreichen? Meines Erachtens nur, wenn man einfühlsam auf die Grundbedürfnisse dieser Menschen eingeht, nicht damit, daß man gegen sie Kriege führt, und schon gar nicht, wenn man den Koran schändet und islamische Glaubensbrüder wie Tiere in Käfigen hält.
Der renommierte Soziologe Dirk Baecker nennt das Elend der Dritten Welt "Kollateralschaden für die Sicherung des Wohlstands der Ersten Welt" und die philippinische Präsidentin Arroyo mahnt, der Krieg gegen den Terrorismus müsse ein Krieg gegen den Hunger sein.
Ich gebe beiden recht!