Wie sagte noch der lebenslustige Rheinländer Netzer aus Mönchengladbach zum drögen Hamburger Delling in der ARD während einer Fußballübertragung?
"Ich lebe zwar in Zürich, stamme aber aus dem Rheinland, da wo die Freude zu Hause ist. Freude! Verstehen Sie, was ich meine?"
Die beiden flachsen sich bewußt in der für ihre Heimat typischen Weise an. Delling besticht bei aller Sprödigkeit durch hintersinnige, spitze Bemerkungen, während Netzers Einwürfe meist intellektuell anspruchsloser sind, so wir der Rheinländer "als solcher" eher schlichter, einfacher strukturiert ist. Trotzdem tut Delling sich erstaunlicherweise mit Netzer mitunter schwer. Dann kommt die obligate Frage: "Wie darf ich das denn nun wieder verstehen?"
Netzer dagegen kontert Dellings Bemerkungen meist souveräner. Er dokumentiert, daß er das Ganze wirklich nicht ernst nimmt.
Netzer könnte noch hundert Jahre weiter machen, seine Herkunft würde er wegen seiner Singsang-Spachfärbung nie verleugnen können. Delling spricht dagegen das typische abgehackt schnelle Nord-Deutsch, mit dem sich die Rheinländer emotional manchmal schwer tuen. Die Sprache wirkt auf sie kalt, perfekt und vermittelt eine gewisse Strenge, die dem Rheinländer in seiner Wesensart völlig fremd ist.
Ich habe selber berufsbedingt anderthalb Jahre in HH gelebt und habe mich immer schwer getan mit der distanzierten Art der Menschen. Sie lassen nicht wirklich gerne jemanden so schnell an sich ran. Und vor allem haben sie kein Verständnis dafür, daß jemand laut lacht, wenn nicht ein unmittelbarer gewichtiger Grund dafür vorliegt.
Allerdings bestätige ich, was hier auch schon mal anklang: Wenn sie Vertrauen gefaßt haben, dann sind sie zuverlässige Freunde. Ganz im Gegensatz zu den flatterhaften, emotionalen Schwankungen ausgesetzten Rheinländern, die es sogar schaffen, die 5 gerade zu machen, wenn es ihnen momentan in den Kram paßt.
Neeeeeeiiiiin, man kann das alles nicht verallgemeinern. Aber tendenziell haben alle Landstriche in D. schon so ihre speziellen Eigenarten.